Aus Kichererbsen kann man viele leckere Gerichte herstellen. Erstaunlich, dass ich das so lange ignorieren konnte, bis vor wenigen Jahren kannte ich nicht einmal Falafel also Kötbullar aus Kichererbsen. Klingt vegan ist aber lecker. Noch besser schmeckt Hommos, das ist eine Art Dip aus besagten Hülsenfrüchen, Zitronensaft, Öl und Sesampaste. Letztere hat eine interessante Eigenschaft: Nimmt man auch nur einen halben Löffel davon ein, so bedeckt sie sofort den gesamten Mundinnenraum und man spricht komisch. Erdnussbutter verhält sich da ähnlich.
Die meisten arabischen Wörter, die ich in Syrien lernte bezeichnen Essen. Tabule z.B., das ist ein leckerer Petersiliensalat - aber in vielen Situationen keine gute Vokabel. Im Hamam, also einem öffentlichen Bad, kam ich mir daher etwas aufgeschmissen vor. Niemand sprach Englisch und ich war den Rundum-Service nicht gewohnt. Man darf sich da gerade mal selber entkleiden (im Foyer) schon das Handtuch winden einem die freundlichen Mitarbeiter um den Bauch. Dies war mir allerdings unbekannt und ich reagierte erstaunt, als mir plötzlich der Schwamm entzogen wurde und ein dicker Mann begann meine oberen Hautschichten mit einem Sisalknäuel zu entfernen. Was sollte ich sagen? Dschihad? Salam aleikum? Petersiliensalat? Nach mehrmaligem Drehen, Hinlegen und -setzen war die äußerliche Reinheit vollkommen und ein Masseur übernahm die weitere Bearbeitung, was sehr angenehm war. Reibt euch mal mit Olivenöl ein, wenn euch langweilig ist, das riecht gut. Menschen, deren Oberfläche Pickel aufweist können Sand hinzufügen oder feine Glassplitter.
Im Hamam habe ich auch zwei Männer aus dem Irak kennengelernt, die mir ihre Schusswunden präsentierten. Ihrer Geschichte zufolge griffen Rebellen ihr Dorf an und beim Versuch die Familie in Sicherheit zu bringen sei einer der Beiden verletzt worden. Ein Loch vorne an der Schulter - eins hinten und ein paar Streifschüsse. Die Männer hegten überdurchschnittliche Sympathien für die in ihrer Heimat stationierten US-Soldaten, da deren Anwesenheit die Sicherheit der Zivilbevölkerung (lokal) erhöht. Die Hoffnung wieder in den Irak zurückzukehren hatten sie allerdings schon aufgegeben, da von den "Dieben der neuen Regierung" nichts als Diebstahl zu erwarten sei. Ihr Hauptinteresse an mir bestand dann auch aus EU-Einreisetipps. Ich riet mehrfach ab, kam mir dabei aber irgendwie seltsam vor. Der Plan war auch noch nicht ganz ausgereift, es sollte über Ungarn und Deutschland nach Holland gereist werden, von dort nach Dänemark und weiter nach Schweden, welche Irak-Flüchtlinge aufnimmt. Über den offiziellen Weg hatte man sich noch nicht informiert, was angesichts der syrischen Behörden verständlich ist.
Vorher hatten wir schon eine kurze Religionsdebatte geführt. Ich falle ja immer mit der Tür ins Haus: "Hello, i'm Christian" - "Hi, i'm Moslem." - "No, i mean yes ... maybe ... whatever my name is ... ". Dabei habe ich gelernt, dass muslimische Männer Frauen aus beliebigen Religionen heiraten können, andersrum geht das aber nicht. Anscheinend werden aber zur Heirat eh alle in Muslime konvertiert, es wäre dann ja egal in welchem Verein man vorher war. Ich habe versucht das Konzept der Homo-Ehe zu erklären um Deutschland hip wirken zu lassen, stieß aber auf amüsiertes Unverständnis. Jetzt können die Beiden wenigstens daheim was erzählen.
Es gibt anonymisierende Netzwerke [1]. Das sind Netze in denen sich Personen unbeobachtet austauschen können, also ohne dass von aussen bekannt ist, wer gerade was mit wem bespricht. Auch wenn man jemanden verdächtigt und sein Telefon und Internet überwacht kann man dann keine Informationen gewinnen, mit wem oder über was geredet wird. Eigentlich kann man noch nicht einmal erkennen, ob jemand an solch einem Netz beteiligt ist.
Die Dinger funktionieren und man kann keine Gesetze dagegen machen. Es gibt auch keine technischen Maßnahmen dagegen. Was man machen kann ist zu realisieren, dass es so etwas gibt und den damit verbundenen Schock zu überwinden und sich sinnvoll zu verhalten.
Ich möchte keineswegs abstreiten, dass ein Netzwerk, das quasi ein Raum ohne Exekutive (analog zum rechtsfreien Raum) ist, ein sehr hohes Missbrauchspotential birgt. Es wird, zumindest hierzulande, sicherlich weit mehr von Pädophilen und Mafiosis als von Menschenrechtsaktivisten genutzt. Und diese Leute kann man nicht verfolgen. Man weiss nicht wer es ist und was sie überhaupt tun. Bei der Vorstellung habe auch ich ein bisschen Bauchschmerzen, bislang war es ja sonst immer möglich einen Kompromiss zu finden zwischen der Freiheit von Einzelpersonen und dem Wunsch bestimmte Verhaltensweisen und Inhalte zu unterdrücken. So einen Kompromiss gibt es jetzt nicht mehr. Wir müssen einfach damit leben. Und das ist schwieriger als es klingt. Wenn es im realen Leben unmöglich wäre Diebe zu verfolgen hätte das viel Klauerei zur Folge. Ist sogar unbekannt, wer den Diebstahl begeht greift nicht einmal die gesellschaftliche Ächtung, damit sind dann auch gesetzliche Regelungen irrelevant und wir hätten besagten rechtsfreien Raum.
Und sowas für die wirklich Schlimmen? Ja. An dieser Stelle gibt es wohl auch kein großes ',aber ...' die Nichtverfolgbarkeit ist aber immerhin auf die Kommunikation eingeschränkt. Es bricht also nicht sofort Anarchie aus weil die Mafia ja auch weiterhin rumlaufen muss um die Leute zu verhauen, die kein Schutzgeld zahlen. Da kann man sie dann vielleicht fangen und es ist sinnvoll darüber nachzudenken wie man das am besten anstellt.
Nicht sinnvoll ist es so zu tun, als gäbe es keine anonyme Kommunikation, entweder weil es zu unangenehm wäre das einfach zu akzeptieren oder weil man unpopulär würde wenn man da seine Machtlosigkeit so offen zugibt. Zu behaupten technisch sichere Anonymität stände nur einer kleinen Informationselite zu Verfügung und bei allen anderen wäre Überwachung ein effektives Mittel ist nicht nur kurzsichtig sondern falsch. Viele Computerzeitschriften, Zeitungen und Fernsehsender wie der WDR informieren eine breite Masse über die Möglichkeit, ihre Kommunikation vertraulich zu halten. Dieselben Medien weisen auch darauf hin, dass sich mit technischen Vorhaben wie dem Einsatz eines Bundestrojaners und der Vorratsdatenspeicherung allenfalls "digitale Eierdiebe" fangen lassen. Sie binden aber viel Aufmerksamkeit die sich anderweitig besser nutzen liesse.
[1] Es gibt anonymisierende Proxies, Onion Router wie Tor und richtige Netze wie Freenet. Es gibt die Möglichkeit Informationen steganografisch in Bilder einzubetten und diese bei flickr zu tauschen durch das ganz normale Internet. Es gibt eine Unzahl weiterer Ansätze. Die Verfahren sind nicht im streng mathematischen Sinne "absolut sicher" aber so sicher, dass Angriffe dagegen unrealistisch sind. Sobald Angriffe realistisch würden, wäre es einfach auf eine andere Form auszuweichen. Wenn ich also hier von unmöglich rede, meine ich, dass keiner die Möglichkeit hat etwas zu tun und davon auszugehen ist, dass das auch so bleibt.
Diese Bilder vom Kirchentag hat alle der Appel gemacht, aber ich glaub ich darf die auch hier zeigen. Aber lobt den Appel! Die restlichen sind in Appels Gallery.
Jeden Dienstag ist Kochabend mit den Infonauten. Letztes Mal gabs gefüllte Pfannkuchen und nach Wrap 3 (hahahaha!) waren wir zu voll, um noch Wii zu spielen. Bequem im Sessel kann man z.B. google-whacking spielen, ein Zeitvertreib der gerüchteweise sogar das Fernsehen erreicht hat. (Also langweiliges deutsches Fernsehen, Spiele japanischer Sender hingegen erreichen nie die Normalgesellschaft!) Man bilde ein Wort mit vorgegebenem Anfang, das möglichst wenige, aber mindestens einen Hit bei google hat. Gute Standardanhängsel sind beispielsweise Wut und Bier. Da kann man sich zumindest sicher sein, dass der ADAC das schonmal in seinem Proletenheft erwähnt hat. Quasi als Abfall ergeben sich dabei immer tolle unreservierte Domainnamen, die wir hier großzügig mit der Grabbergemeinde teilen wollen:
Kirchentag schon wieder vorbei. Und ich muss dies hier schnell veröffentlichen, bevor es zu sehr veraltet.
Was gab es noch alles ? Einen erotischen Gottesdienst, den es laut Tob bei den Katholiken nicht gegeben hätte, eine überfüllte Rede von der Merkel und einen Stand der Tageszeitung, die gerade „Ostdeutsche rettet die Welt“ titelte. Wolfgang „Big Brother“ Schäuble war auch angereist und begann den Tag mit einer Bibelarbeit. Später gab es noch einen länglichen Afrika-Themennachmittag, der aber keine Fragen beantwortete. Dies lag insbesondere am Podium, das ein ums andere Mal der Frage „und was machen wir nun?“ auswich. Von Themen wie Europas Interessen, eventuell exponentiales Bevölkerungswachstum bei ausreichender Versorgung mit Medizin und Essen, Migrationsdruck, China in Afrika, Kleinwaffen, Darfur und Local Warming war dann natürlich keine Gelegenheit mehr. Ich würde wirklich gern mal die ganzen weltwirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen, um sowas ordentlich beurteilen zu können. Ah Aufruf! Liest jemand dieses Blog und weiß das alles und kann es mir einfach (gern auch mit Formeln, jedoch ohne diese soziologischen Wortgebilde), aber unideologisch erklären? Ich zahl dann auch Bier/Saft/Lebertran.
Des Innenministers Anwesenheit zum Trotz (!) liefen da übrigens viele Leute mit Stasi2.0 T-Shirts rum, was ich bislang eher aus Nerdkreisen kannte.
Nanotechnologie! Nanotechnologie ist sehr gut! Diesmal macht die Industrie alles richtig und denkt frühzeitig an die möglichen Folgen und erforscht die Gefahren von Anfang an gleich mit. Nanotechnologie macht alles durchsichtig, unzerstörbar und honigabweisend. Die Frauenhofer präsentierten einen Kunststoff, an dem Wasser abperlt. Was Telfon für die Raumfahrt ist, ist der Lotuseffekt ist für die Nanotechnologen. Gentechnologie und Rassenforschung haben hingegen keine populären Beispielanwendungen. Der Kunststoff war aber nicht beschichtet mit kleinen Haaren (wie z.B. die Amina), sondern durchsetzt mit winzigen Glassplittern. Das ist dieses Puder, mit dem man sein Koks streckt. Aber nanoklein! Um einen Stuhl zu machen, muss man den Kunststoff ja eh einschmelzen und dabei kann man dann auch gleich noch diese Splitter mit da reinkippen. Schon ist das Zeug schön wasserabweisend man kann kann „Nano“ auf seinen Stuhl schreiben und sich auch gleich noch den Hintern damit polieren. Ob das denn nun gefährlich ist, vielleicht können die Splitter ja eingeatmet werden und dann durch die Lungenbläschen durch, weil die ja so klein sind. Und dann mit dem Blut ins Ohr und da klirrts dann immer. Kann ja sein. Deshalb war meine Vorstellung, dass Nanoglaspartikel in einer unterdruckversiegelten Spezialbox kommen, die von innen leuchtet und auch nur mit leuchtenden Codekarten geöffnet werden kann, von humanoiden Robotern. Laut zischt es wenn der Deckel zu Seite gleitet und leise wenn die Box sich auf ihrem Luftkissen bewegt. Nano ist doch die Zukunft! Aber ich wurde enttäuscht, der Glasstaub scheint nicht so schlimm zu sein und wird in schnöden Papiersäcken geliefert, wie Beton. Nebenan stellte der Interessensverband der Kleinpartikel tolle Produkte mit Marketingnamen vor. Carbon Black irgendwas z.B. war ein Zusatz für Reifen. Entsteht durch Verbrennen von Öl oder Gas und Filtern der Abgase. Klingt für mich verdächtig nach schnödem Ruß. Mag sein, dass die Rußklumpen besonders klein sind, dann müsste man aber eigentlich schreiben, dass sie genau den Feinstaub produzieren, vor dem alle Angst haben.
Appel hat sich sehr lange mit einem BASF-Menschen unterhalten. Ich hätte ja erwartet, dass die BASF auf dem Kirchentag ungefähr so beliebt ist wie Monsano oder die Deutsche Bank oder der Junior vom Bush oder Manhunt oder Daimler bei Chrysler oder Spinat oder Tschernobyl. Anscheinend hatten die aber noch nicht viel einstecken müssen und waren nett zu uns. Ob man vielleicht als Pfarrer bei ihren arbeiten könnte, wollte der Appel wissen. Weil Pfarrer ja lauter Skills haben, Zeitmanagement, Stressmanagement, Frauenkreis und Kommunikation im Aramäischen. Eigentlich alles außer Teamarbeit. Wohl 10 Minuten hat er auf den armen Menschen eingeredet, also vom Textumfang her sicherlich mit Deutero-Jesaja vergleichbar. Dann kamen die beiden zu uns rüber: „Studieren Sie (Tob und Buck) auf Theologie?“ „Nee, wir sind Informatiker.“ „Ah, sehr gut, die können wir auch immer gebrauchen!“
Im Hintertupfinger Gemeindebrief wird man wohl in der nächsten Ausgabe lesen können:
Lebendig und kräftig und schärfer - unter diesem Motto stand der diesjährige Kirchentag, den wir Anfang Juni besuchten. Wir, das sind 20 Jugendliche aus Hintertupfingen....
So klingt das im Gemeindebrief immer und wer aktuell in Köln weilt, könnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Christenvolk recht homogen daherkommt. "Aahr, alles Freaks!", meinte z.B. der Tob. Nimmt man allerdings Besucher, Stände, Vorträge und Flugblätter als (medimensional) gaussverteilt im Raum der Weltanschauungen an, bemerkt man doch eine hohe Varianz. Mein Lieblingsbeispiel ist, dass in einer Halle der Stand gegen Organspende (die Würde des Menschen steckt in der Milz, Gehirntod ist nur sehr krank etc.) in Sichtweite des Pro-Organspende Stands steht. Gibt das keinen Streit? "Nee, wir haben bislang nicht miteinander geredet, aber es kommen manchmal Leute von drüben zu uns. Aber man kennt sich.", mit wohlwollendem Nicken überreicht mir ein bärtiger Mann meinen frisch laminierten Organspendeausweis. Wenige Meter weiter gehts um homo- und transsexuelle Behinderte, eine wahrscheinlich sehr kleine Gruppe, auf der anderen Seite steht ein Tisch mit vielen Wäscheklammern: SM und Kirche. Das Jugend-Internetcafé (cybercafe42.de) bietet 40 Rechner, offenes WLAN und mobiles Internet: ein Wohnwagen voll Notebooks.
Inhaltlich versuche ich natürlich, die Themen "gewaltfreie Kommunikation / gerechte Sprache, Feminismus und Krise" auszusparen, das ist aber nicht schwer, es gibt lauter spannende Diskussionen. So fand in der Themenhalle Medien und Weltwissen ein interessantes Streitgespräch zwischen Prof. Dietrich Leder (Fernsehkultur, Kunsthochschule Köln) und Gabor Steingart (Leiter Hauptstandbüro Spiegel) über Meinungsjournalismus statt. Beide waren sehr gut vorbereitet und Herr Steingart reagierte auf alle Vorwürfe erstaunlich ehrlich: „Der Spiegel ist nicht immer objektiv? Da ist kein einziger objektiver Artikel drin, man sollte da alles als Kommentar verstehen. [...] Alarmimus? Ja natürlich wird übertreiben, wir wollen ja nicht nur berichten, sondern was bewegen. Alarmismus ist ein Konzept des Spiegels. [...] Der Spiegel will Einfluss nehmen, wenn sich nichts ändert, schreiben wir halt mehrmals. [...] Nein, Rot-Grün stürzen, das wäre für uns zu groß gewesen.“ (Alles nicht wörtlich aber sinn- und tonfallgemäß). Da läuft ja jegliche Kritik am Spiegel ins Leere, wenn der alles zugibt. Fiese Strategie.
Nein nicht Borat. Al Gore hat ja diesen Film gemacht der uns sagen soll wie schlimm es um das Klima steht. Der Klimawandel war allerdings schon mal Gegenstand der breiten Diskussion, es gab passende Filme und nachher waren sich alle einig, dass man, was den konkreten Wandel angeht, erst noch abwarten muss aber vorsichtshalber schon mal ziemlich umweltbewusst leben sollte.
These: Die Öffentlichkeit kann einem Thema nur eine gewisse Menge Aufmerksamkeit widmen, danach ist es allen unangenehm darüber nachzudenken und andere Sachen erscheinen wichtiger. Daher ist es wichtig dieses verfügbare Interesse an einem Problem zeitlich geschickt einzusetzen damit nicht nur lasche Allgemeinplätze gefunden werden.
Obwohl der Gore das ja nach eigenem Bekunden schon länger erzählt und seine Präsentation auch wirklich gut macht und Film auch ein gutes Medium ist für so was, scheint es doch als käme er zu spät. Klar, mittlerweile kann man tolle Bilder zeigen von Gletschern die Seen wurden und Seen, die jetzt Wüsten sind. Und die Diagramme sehen heute überzeugender aus als vor ein paar Jahren, selbst ohne die Hochrechnung für "alle Chinesen wollen ein Auto". Aber das drückt noch nicht genug, gerade weil man ja schonmal drüber geredet hat. Gerade weil es ja schon den Konsens gibt, dass man Ressourcen sparen sollte und den Müll trennen und nicht so viel furzen weil Methan ja auch böse ist. Mit dieser Lösung haben sich alle arrangiert und wenn sie dagegen verstoßen, was ja täglich der Fall ist, haben sie auch brav ein bisschen schlechtes Gewissen.
Die Zug-Seite sieht auch nicht gut aus. Herr Gore meint zwar die ganzen Technologien und Erkenntnisse was zu tun sein seien schon da, aber es gibt nicht die eine gut verkaufbare Strategie der man folgen könnte. Wir haben kein Fusionskraftwerk gegen das wir unsere Kohlemeiler eintauschen könnten. Keiner redet mehr über Wasserstoff als Erlöser von anderen Brennstoffen. Um Erfolg zu haben mit der Warnung vor der Erderwärmung sollte man aber sowas in der Tasche haben. Ein einfache Handlungsanweisung die alles richtet.
Awareness ist ja schon da, wer jetzt kommt und will, dass wirklich mehr gemacht wird muss dann auch sagen was. Eisblöcke in den Ozean schmeissen, AOL-CDs in den Weltraum schiessen, Hybridautos tunen bis sie cool sind, alles in XML konvertieren. Energie sparen kann man schlecht als spannend verkaufen. Sich selber kann Al Gore allerdings wirklich gut verkaufen, er wirkt selbstsicher und humorvoll und das macht seine Wahrheit gleich deutlich angenehmer.
Für meinen Geschmack handelt der Film zu sehr von seinem Hauptdarsteller, der offenbar den ganzen Tag im Auto sitzt und Bilder in eine Keynote Präsentation zieht. Sein Powerbook ist daher auch halb so oft im Bild wie der Klimawandel was etwas platt wirkt wenn man weiss, dass sein Besitzer im Apple Aufsichtsrat sitzt. Die ganzen Informationen und persönlichen Anekdoten über Herrn Gore und sein bisheriges Leben wirken fehl am Platze, es sei denn es geht nicht nur um die Erdtemperatur sondern auch um ihn. Dahingehend haben wohl auch die Southparkleute ein bisschen Recht in ihrer Manbearpig-Folge.
Ein Gutes hat eine neue Klimadebatte aber auch: es ist endlich mal wieder ein Problem, das man messbar lösen kann und das mittels Technik und damit viel angenehmer zum darüber Nachdenken als die kultur- und religionslastigen Debatten um Terror, Moslems mit schlechter Laune, das neue Prekariat, klapprige Models und natürlich die schrecklichen Killerspiele.